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Von Schuhen und Menschen
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Von Schuhen und Menschen
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High Heels, Sandalen, Budapester. Immer wieder werden bestimmte Schuhmodelle zu wichtigen, unverzichtbaren Trends erklärt, zu absoluten Musts für modische Outfits. Doch wo kommen sie eigentlich her? Was haben sie für eine Geschichte? Regelmäßig schreiben wir hier die spannendsten Schuh-Geschichten. Hier die von Oxford, Derby und Co.
Der Vintage-Look ist vorbei - auch in der Männermode. Statt herunter gewaschenen Jeans und Chinos wird die Menswear jetzt wieder adretter, seriöser, cleaner. Es gibt viel Flanell, Cord und Tweed. Blazer-Mantel und Schalkragen, ebenso Cashmere-Pullover und Cardigans mit Leder-Patches. Klare Schnitte und geradlinige, moderne Looks sind gefragt. Und dazu? Klassische Herrenschuhe. Endlich sind sie wieder da. Weg waren sie natürlich nie. Denn Budapester, Monks und Derbys sind einfach Klassiker. Und Klassiker leben davon, dass sie nicht viel brauchen, um gebraucht zu werden. Aber endlich rechnen auch Fashion-Profis wieder fest mit ihnen und machen aus diesen Klassikern Must-haves. Das wurde auch langsam Zeit, nach all den Casual-Canvas-Converse-Looks. Es gibt sogar Leute, die sagen: Klassische Herrenschuhe seien das allerwichtigste Kleidungsstück des Mannes. Und auch meine Oma, eine lebenserfahrene, kluge Frau, riet ihren Enkelinnen eindringlich, zu aller erst aufs Schuhwerk zu gucken. Dort würden sich Stil und Geschmack – wenn vorhanden – als erstes zeigen. Und diejenigen, die sich professionell mit Schuhen beschäftigen, wissen eh, dass ordentliche Herrenschuhe etwas ganz kostbares sind. Vor allem Oxfords, Derbys und Monks. Ohne diese drei Grundtypen läuft bei Herrenschuhen nichts. Seit wann aber gibt es sie?
Im Mittelalter werden Schuhe erstmals rahmengenäht: Sohle und Oberleder, beide aus verschieden starken Ledern, werden mit Hilfe eines Rahmens von Hand zusammengenäht. Der Rahmen bildet die Tragekonstruktion des Schuhs, hält Schaft, Brandsohle und Sohle zusammen. Heute sind rahmengenähte Schuhe ein ziemlicher Luxus. Im 12. Jahrhundert auch. Zwar etablieren sich in dieser Zeit die ersten Schuhmacher, die sich auf Lederarbeiten spezialisiert haben, aber sie arbeiten ausschließlich für eine solvente Klientel - die niederen Stände fertigen ihre Schuhe nach wie vor selbst. Anfang des 18. Jahrhunderts werden die Seiten- und Vorderleder bei Männerschuhen höher, es entsteht eine lange Zunge, über die eine Querlasche mit Schnalle auf den Spann seitlich oder kreuzweise geschlossen wird. Der Schnallenschuh oder Monk (dt. Mönch), oftmals aus Ziegen- oder Schafleder, ist geboren. Er gilt als sachlich, schlichtes Schuhmodell, deshalb wohl auch sein Name. Elegant wird er vor allem durch sein langes Vorderblatt. Wie alle Lebensbereiche beeinflusst der technische Fortschritt im 19. Jahrhundert auch die Herstellung von Schuhen. Vorbei die Zeit der handgefertigten Schuhe für alle. Ab 1821 können Schuhleisten auf einer Drehbank in Serie hergestellt werden. Im Jahr 1856 gibt es dann die ersten Nähmaschinen für Leder, erste Schuhfabriken entstehen. Leistenbauer, Gerber, Schaftstepper, Schuhmacher – unzählige Handgriffe sind notwendig, um aus einem Stück Leder einen haltbaren Herrenschuh zu fertigen. Und bereits zu diesem Zeitpunkt gilt: Handmade ist und bleibt allererstes Gütezeichen.
Um 1880 etabliert sich zum Anzug der Halbschuh. Das ist bis heute so. Die Modelle variieren, da gibt es beispielsweise den Oxford: ein eleganter Schuh mit geschlossener Schnürung. Die Seitenteile sind bei diesem Modell unter das Vorderblatt genäht. Modell Derby hingegen hat stets eine offene Schnürung, dort liegen die Seitenteile auf dem Vorderblatt, das in die Zunge übergeht. Aber nicht nur die Verschlussmethode charakterisiert den Schuhtyp, die Anzahl der Bestandteile eines Schuhoberteils kann ebenso ein Schuhmodell bestimmen: Ein Budapester beispielsweise besteht aus Vorderblatt, Seitenteilen und äußerer Hinterkappe. Weiteres Unterscheidungsmerkmal bei Herrenschuhen sind Lochmuster (Brogueings). Diese elegante Verzierung ist eine Erfindung der irischen Bauern: Um das Trocknen ihrer vom Sumpfboden feuchten Schuhe zu beschleunigen, versahen sie Vorder- und Seitenteile mit Löchern. Mit den Jahrzehnten wurden aus diesem praktischen Trick Verzierungen. Weitere wichtige Schuhtypen sind Semi-Brogue (Vorderkappe ist gerade) und Full-Brogue (Vorderkappe ist geflügelt, also größer). Die Briten kannten Brogues zunächst als derben Sportschuh vom Golfplatz. Anfang des 20. Jahrhunderts werden diese dann eleganter. Wobei unter den Hardlinern noch heute gilt: Ein Semi- oder Full-Brogue wird nicht nach 18 Uhr getragen… Aber auch diese Klassiker unterliegen modischen Strömungen: Anfang der 20er Jahre sind sie flach und extrem spitz, man spricht sogar vom Skinny-Schuh. In den 30er Jahren werden die Schuhe für Herren dann vorne runder und gewölbter, ab und zu auch zweifarbig. So nach und nach schleicht sich Sportivität in die (Männer)Mode ein, Krepp- und Gummisohlen ebnen Trotteuers und Turnschuhen den Weg.
Wenn Herrenschuhe heute von Hand gefertigt werden, arbeiten die Profis im Grunde so wie vor 200 Jahren, denn die rund 200 Arbeitsschritte haben sich nicht wesentlich verändert. Da diese Klassiker von Schaft bis Sohle aus Leder gefertigt werden, waren und sind ihre Preise stets stark von den Rohstoffpreisen abhängig. Aufgrund der starken Nachfrage haben sich die Preise für Rinderhäute, Kalbfelle und Kleintierfelle in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt – die Preise für Lamm- und Kalbfelle erreichen mittlerweile historische Höchststände. Dennoch - mit diesen Klassikern lässt sich gutes Geld verdienen. Wenn man den Männern nur deutlich macht, wie up-to-date ordentliches Schuhwerk ist.
Text: Julia Mönnich
Bilder: Lloyd, Salamander, Peter Kaiser
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