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Tief runter

Kolumne

Tief runter

Mister Bootblack ist Philosoph mit eigener Meinung. Sein Geld verdient er als Schuhputzer. Für die GDS schreibt er alle 14 Tage über Schuhe. Und über deren Träger.

„Bootblack“, sagt Barry, „irgendwann glaube ich das mit den Gamaschen!“ Er zeigt auf den Saum seiner Hosenbeine, hinten, wo sie nass werden in einem Winter wie diesem. „Oder ich muss alle meine Hosen unten abschneiden lassen.“ Er lacht. Er hat, genau wie alle anderen hier, gerade erst wieder längere Hosen gekauft. Und nun das.

Wir sind wieder bei einer Falte. Die Anzughosen der Wall Street Boys waren in den letzten Jahren immer kürzer geworden, bis sie fast zu klein aussahen, aber jetzt liegen sie wieder so auf dem Spann auf, dass sie genau eine Falte werfen. So mag ich es. Ich habe es immer so gehalten, und das ist wieder ein Beweis dafür, dass auch stehengebliebene Uhren wenigstens zweimal am Tag richtig gehen. Die Mode ist wieder bei mir angekommen. Aber es bedeutet auch: Bei diesem Wetter hängt die Hose hinten in den Matsch. Und kein Stiefel hilft dagegen, weil man als Mann seine Hose nur dann in den Stiefel stecken kann, wenn man reitet oder in den Krieg zieht. Und meine lebenslange Lobbyarbeit für die Rückkehr der Gamasche ist nur ungefähr so erfolgreich wie der Präsidentschaftswahlkampf von Rick Perry – dem Mann mit dem „Oooops“. Niemand hört auf mich. Was vernünftig ist, denn ich bin ein Mann. Und wenn ich mir New York City im Winter ansehe, dann merke ich wieder, dass Frauen das Geschlecht mit dem besseren Verhältnis zu Realität sind. Sie denken praktisch, weil sie nicht praktisch sein wollen. Ich erkläre das noch.

Es geht ja bei hohen Schuhen nicht um Schuhe. Es geht um lange Beine und einen gut geformten Po, wegen der Muskelspannung. Natürlich gibt es schöne flache Schuhe für Frauen, aber eine Frau, die hohe Schuhe kauft, sucht eben nicht nur Schuhe. Achten Sie im Geschäft einfach drauf, worauf sie im Spiegel schaut, wenn sie sie anprobiert. Sie guckt mindestens so viel auf die Hose wie auf die Schuhe. Und sie hat verdammt recht damit. Und weil sie weiß, dass sie in dieser Stadt bei diesem Wetter in diesen Schuhen ohnehin verloren ist, geht sie los und kauft noch ein paar Biker-Stiefel dazu, stopft ihre Hosenbeine hinein und nimmt die Pumps in einer Tasche mit ins Büro. Ich muss zugeben, das ist noch besser als Gamaschen. Es ist smart.

„Das Lustigste“, sagt Barry, „ist, dass ich als Kind von meiner Mutter bei diesem Wetter in Gummistiefel gesteckt wurde. Damals hatte ich saubere Hosen an und ein dreckiges Gesicht. Heute trage ich eine Krawatte, aber meine Hosen sind nass.“ Ich muss lachen. Es ist das klassische Ergebnis eines Kompromisses: Wenn man sich auf alles vorbereitet, auf den Schneeregen und gleichzeitig auf den Tag am Schreibtisch im klimatisierten Büro, dann ist man am Ende für keins von beiden richtig angezogen – weil man es genau richtig machen wollte. Genau in diesem Moment stakst ein storchenbeiniges Mädchen in Stilettos an uns vorbei, im Slalomkurs um die tiefsten Pfützen herum. „Dumm“, sagt Barry, als er ihr versonnen nachblickt, „dumm, aber wild entschlossen. Da beneide ich sie echt drum.“

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