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Interview: GDS-Blogger-Testimonial Alice M. Huynh


Die 24-jährige Bloggerin und Designerin Alice M. Huynh ist das neue Blogger-Testimonial der GDS. Alice betreibt das Blog „I heart Alice“ und arbeitet gerade an ihrer vierten eigenen Kollektion.

Die 24-jährige Bloggerin und Designerin Alice M. Huynh ist das neue Blogger-Testimonial der GDS. Alice betreibt das Blog „I heart Alice“ und arbeitet gerade an ihrer vierten eigenen Kollektion.

„Ich hatte über 120 Paar Schuhe. Mindestens, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Alice.

„Ich hatte über 120 Paar Schuhe. Mindestens, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Alice.

Im Interview mit Medienpartner styleranking spricht sie über ihren Weg von der Power-Shopperin zur verantwortungsvollen Konsumentin – und was ihre Lieblingsfarbe Schwarz damit zu tun hat.

Im Interview mit Medienpartner styleranking spricht sie über ihren Weg von der Power-Shopperin zur verantwortungsvollen Konsumentin – und was ihre Lieblingsfarbe Schwarz damit zu tun hat.

"An erster Stelle stehen bei mir spitze Schuhe. Egal ob als Boots oder High Heels, Hauptsache sie sind spitz" GDS-Blogger-Testimonial Alice auf die Frage nach ihren Keypieces für diese Saison.

"An erster Stelle stehen bei mir spitze Schuhe. Egal ob als Boots oder High Heels, Hauptsache sie sind spitz" GDS-Blogger-Testimonial Alice auf die Frage nach ihren Keypieces für diese Saison.

Alice: "Ich habe „I heart Alice“ im Sommer 2007 gelauncht. Damals habe ich noch Mangas und Comics gezeichnet und meine großen Vorbilder waren die japanischen und deutschen Mangazeichner."

Alice: "Ich habe „I heart Alice“ im Sommer 2007 gelauncht. Damals habe ich noch Mangas und Comics gezeichnet und meine großen Vorbilder waren die japanischen und deutschen Mangazeichner."
 

Interview: GDS-Blogger-Testimonial Alice M. Huynh

„Ich hatte über 120 Paar Schuhe“


Die 24-jährige Bloggerin und Designerin Alice M. Huynh ist das neue Blogger-Testimonial der GDS. Alice betreibt das Blog „I heart Alice“ und arbeitet gerade an ihrer vierten eigenen Kollektion. Im Interview mit Medienpartner styleranking spricht sie über ihren Weg von der Power-Shopperin zur verantwortungsvollen Konsumentin – und was ihre Lieblingsfarbe Schwarz damit zu tun hat.

styleranking: Wie und wann bist du auf die Idee gekommen mit deinem Blog „I heart Alice“  zu starten?

Alice: Ich habe „I heart Alice“ im Sommer 2007 gelauncht. Damals habe ich noch Mangas und Comics gezeichnet und meine großen Vorbilder waren die japanischen und deutschen Mangazeichner. Ich las viele von ihren Blogs, in denen sie über ihren Alltag schrieben oder ihre neuesten Artworks und Sketches zeigten. Ich komme aus einem 1.000 Seelen Dorf im Allgäu. Da gab es vergleichsweise wenig, womit man sich seine Zeit vertreiben konnte. Also habe ich mit meinem Blog gestartet. „I heart Alice“ hatte aber damals noch sehr wenig mit dem heutigen Modeblog zutun.

styleranking: Wovon handelte „I heart Alice“ denn damals?

Alice: Meine ursprüngliche Motivation war, eine Plattform zu haben, auf der ich meine Gedanken und Erlebnisse aufschreiben und teilen konnte. Die drehten sich allerdings noch nicht um Mode, sondern eher um meinen Alltag und um das Zeichnen. Erst als ich älter wurde und anfing darüber nachzudenken, was mir die Zukunft bringen soll, entdeckte ich mein Faible für Mode. Das war auch die Zeit, in der ich mich entschloss, Modedesign zu studieren.

styleranking: Du sagst, dass sich deine Vorliebe für Mode erst peu à peu herauskristallisierte. Mittlerweile stehst du kurz vor dem Abschluss deines Studiums Fashion Design an der Akademie Mode und Design. Was bedeutet dir Mode heute?

Alice: Heute sehe ich Mode vor allem als Handwerk an. Das habe ich erst während meines Studiums richtig begriffen. Es steckt so viel mehr dahinter, als die Möglichkeit Menschen unterschiedlich einzukleiden. Mode ist Kunst. Und Kunst verlangt viel Arbeit. Mit dieser Erkenntnis hat sich auch mein Einkaufsstil stark verändert.

styleranking: Was machst du denn heute anders?

Alice: Ich kaufe viel bedachter ein und achte verstärkt auf Qualität, Herkunft und Stofflichkeit. Früher habe ich sehr viel experimentiert und unglaublich viel konsumiert. Wenn Sale war, habe ich einfach geshoppt, ohne darüber nachzudenken. Ich hatte über 120 Paar Schuhe. Mindestens, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Heute verzichte ich darauf, immer mehr haben zu wollen und investiere dafür gezielt in ganz bestimmte Teile. Die sind zwar meistens etwas teurer, aber dafür um einiges langlebiger. Das soll aber nicht heißen, dass teure Kleidung zwangsläufig qualitativ hochwertig ist.

styleranking: Wie stehst du denn zu Billigketten?

Alice: Ich habe dort früher selbst eingekauft und verurteile niemanden, der dort einkauft. Für mich kommt es allerdings nicht mehr in Frage, seitdem ich weiß, wie solche Dumpingpreise zustande kommen. Wenn ich Mädels sehe, die mit zehn vollgepackten Tüten aus dem Laden spazieren, mit Sachen, die sie höchstwahrscheinlich nach dem zweiten Mal waschen wegschmeißen müssen, dann hinterfrage ich den Sinn dieses Teufelskreises. Am Ende hat niemand etwas dabei gewonnen – und  wenn doch, dann zumindest nicht auf lange Sicht. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich nur noch Schwarz trage. Ich möchte nicht mehr jeden Trend mit machen.

styleranking: Du bist das aktuelle Blogger-Testimonial der Schuh- und Accessoiremesse GDS. Wie hast du dich gefühlt als du erfahren hast, dass du das Rennen gemacht hast?

Alice: Im ersten Moment habe ich mich unglaublich gefreut. Mittlerweile freue ich mich nicht nur, sondern ich bin auch sehr stolz. Es gibt so viele tolle Blogger. Dass die Wahl auf mich gefallen ist, zeigt mir: Mein Stil wird anerkannt und ich werde nicht als die Bloggerin abgetan, die nur Schwarz trägt.

styleranking: Erzähl’ uns doch mehr über deinen Stil. Was macht ihn aus? Wie hat er sich entwickelt?

Alice: Mein Stil hat sich mit der Zeit entwickelt. Früher war meine Lieblingsfarbe Orange und ich war stets darauf bedacht, mit meinen Klamotten irgendwie aufzufallen. Alles musste extravagant sein. Auch meine Haare. Die trug ich manchmal in Blau, dann in Orange und dann in Rot. Ich habe sehr körperbetonte Kleidung getragen. Mit der Zeit musste ich aber feststellen, dass ich das nicht bin. Heute weiß ich, ich mag es am liebsten gemütlich und praktisch. Ich liebe zum Beispiel Skinny-Jeans in Kombination mit Oversize-T-Shirts oder Grobstrick. Das lässt sich am besten mit meiner Arbeit verbinden, da ich 90 Prozent meiner Zeit in einer Nähwerkstatt verbringe, um dort meine Kollektionen zu produzieren. Das ist einer der Gründe, warum ich größtenteils auf Accessoires verzichte. Ringe und Ketten stünden mir nur im Weg bei der Arbeit (lacht).

styleranking: Was fasziniert dich an der Farbe Schwarz?

Alice: Sie ist die Souveränste aller Farben. Schwarz kann man überall tragen. Rot zum Beispiel nicht. Hinzu kommt, dass sie meiner Meinung nach eine meditative und beruhigende Wirkung auf mich hat. Häufig höre ich zynische Kommentare wie, es sei das Simpelste schlechthin, Schwarz richtig zu kombinieren. Ich aber denke mir, Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Es gibt 50 Shades of Black. Außerdem ist es gerade dann eine Kunst, nicht langweilig auszusehen, wenn man sich nur Schwarz kleidet.

styleranking: Du sprachst gerade über Zynismus, der dir in Bezug auf deinen Stil entgegen gebracht wird. Bekommst du viele negative Reaktionen auf deinen Blog? Und wenn ja: wie gehst du mit ihnen um?

Alice: Ab und zu flattern Mal ein paar anonyme, böse Kommentare rein. Das bleibt nicht aus. Wenn man viel von sich Preis gibt, verstecken sich manche Menschen hinter der Anonymität des Internets und versuchen, einen zu verletzen. Aber wenn ich jemanden nicht kenne, berührt mich so etwas kaum. Wichtig ist für mich, mit mir selbst zufrieden zu sein – und zu wissen, dass die Menschen, die mir etwas bedeuten, voll und ganz hinter mir stehen.  

styleranking: Hast du Lieblingsdesigner?

Alice: Das wechselt bei mir von Kollektion zu Kollektion. Ziemlich konstant ist meine Begeisterung für Acne, Martin Margiela, Yohji Yamamoto und natürlich Alexander Wang (lacht). Für alle, die es nicht wissen: Ich habe letztes Jahr ein Praktikum in New York bei Alexander Wang gemacht.

styleranking: Nenne uns bitte drei Keypieces für diese Saison.

Alice: An erster Stelle stehen bei mir spitze Schuhe. Egal ob als Boots oder High Heels, Hauptsache sie sind spitz. Dann braucht man unbedingt einen schönen Cashmere-Pullover. Ob mit oder ohne Rollkragen – das bleibt jedem Selbst überlassen. Und last, but not least: ein Oversize-Seidentuch, das man als Poncho oder Überwurf tragen kann. Das zaubert vor allem bei schweren Herbst-und Winterlooks eine gewisse Leichtigkeit ins Outfit.

styleranking: Trägst du viel aus deinen eigenen Kollektionen?

Alice: Aktuell trage ich eigentlich nur zwei Teile, die ich selbst entworfen habe. Der Grund dafür ist schlicht und ergreifend meine Größe (lacht). Ich bin nur 1,58 m und designe natürlich alles so, dass es an Models, die 1,75 Meter und größer sind, gut aussieht. Neulich habe ich ein wunderschönes bodenlanges Seidenkleid designt. Das sieht an einer großen Frau traumhaft aus, zu mir passt es aber nicht. Momentan bin ich im Prüfungsstress - wenn es die Zeit wieder zulässt, dann mache ich auch mal wieder ein oder zwei Teile für mich selbst.

styleranking: Wie sind deine Zukunftspläne?

Alice: Nach meinem Studium möchte ich erst Mal reisen. Japan, Taiwan, Hong Kong und ein wenig Europa. Mein Freund wird mich dabei begleiten. Danach möchte ich mich für einen Masterstudiengang an der New Yorker Designschule Parsons bewerben. Dann könnte ich nämlich zu meinem Freund nach New York ziehen. Mein absoluter Traum ist es natürlich irgendwann mein eigenes Label zu haben, das dann bestenfalls noch Hand in Hand mit meinem Blog geht.

styleranking: Du nennst deinen Freund in deinem Blog ja nur den ‚New Yorker‘. Verrätst du uns, ob der ‚New Yorker‘ auch aus der Modebranche kommt?

Alice: Glücklicherweise tut er das nicht (lacht). Er kommt aus der Filmbranche und hat mit Mode absolut nichts am Hut. Ich bin ganz froh darüber, dass ich mich nicht mit ihm über Yves Saint Laurents neueste Kollektion unterhalten muss.

styleranking: Die kennst du ja wahrscheinlich selbst gut genug, nicht wahr?

Alice: Das würde ich so gar nicht sagen. Ich versuche mich so wenig wie möglich mit aktuellen Kollektionen zu befassen, da sie mich zu sehr in meiner eigenen Arbeit beeinflussen. Ich möchte nicht unterbewusst irgendwo hingelenkt werden.

styleranking: Was ist denn dann deine Inspirationsquelle?

Alice: Ich lasse mich gerne von Kollektionen aus der Vergangenheit inspirieren. Sie zeigen einem immer sehr schön, dass eigentlich alles schon einmal da gewesen ist und dass man das Rad nicht neu erfinden kann. Ansonsten inspirieren mich Streetstyles und zufällige Begegnungen. In New York habe ich Mal einen Mönch auf der Straße getroffen. Wir sind spontan Essen gegangen. Ich fand ihn und seine Kleidung so inspirierend, dass ich diese Begegnung in meinen Designs interpretiert habe.

styleranking: Liebe Alice, vielen Dank für das Interview.

Zum Blog I heart Alice
Zur Website von Alice
Zum Portrait über Alice
Zum Beitrag “Social-Media-Praxis
Zum Beitrag FashionBloggerCafé meets GDS
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Text: Marion Moder
Fotos: Immo Fuchs / styleranking