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Krieger und Mönche

Kolumne

Krieger und Mönche

Mister Bootblack ist Philosoph mit eigener Meinung. Sein Geld verdient er als Schuhputzer. Für die GDS schreibt er alle 14 Tage über Schuhe. Und über deren Träger.

Als er eines Tages wieder ankam, seinen Schirm über die Armlehne hängte wie immer und sich auf meinen Kundenstuhl setzte, entschuldigte sich Danny bei mir, dass er so lange verschwunden gewesen war. „Weißt du, Bootblack“, erklärte er, „ich habe ein paar Dinge ausprobiert. Ich konnte einfach nicht kommen.“ Er sah mich nicht an als er das sagte, und ich fragte nicht nach. Aber er redete von selbst weiter. Stockend, so als hätte ich ihn zum reden gezwungen. „Mit meinen Schuhen“, sagte er. „Was ist mit deinen Schuhen, Danny?“ Ich verstand nicht. Und er sagte: „Ich habe was ausprobiert. Mit meinen Schuhen.“

Danny ist ein lieber Kerl. Ein echter Typ, mit einem kahlen Kopf, der so rund ist wie der ganze Danny. Man muss ihn mögen, es geht gar nicht anders. „Ist okay, Danny“, sagte ich nur. Aber er konnte nicht aufhören. Er wollte reden.

„Ich habe mir solche Schuhe gekauft, auf denen man geht wie ein Massai-Krieger. So wie barfuss, nur eben irgendwie so … wackelig.“
Ich versuchte, nicht zu lachen. Danny ist nicht nur groß und rund, er trägt auch dreiteilige Anzüge, eine Hornbrille und alles andere, was nicht zu diesen Schuhen mit der runden Sohle passt, auf denen erwachsene Menschen erst einmal neu Gehen lernen müssen. Es soll gesund sein, aber was weiß ich schon davon.

„Ich bin in den ersten drei Tagen zweimal die Treppe zur Subway runtergefallen“, sagt er leise. Ich versuchte immer noch, nicht zu lachen, „aber das lag an mir.“

„Woher weißt du, dass es an dir lag, Danny?“

„Ich habe mich in einem Internet-Forum angemeldet. Da hatte keiner diese Probleme. Ich hab gefragt.“

Ich massierte weiter Creme in seine wunderbaren, alten Monkstraps. Monks, also Halbschuhe mit einer Schnalle anstelle der Bänder, sind unterschätzt, wenn man mich fragt. So elegant. Außergewöhnlich, und gleichzeitig formal. Es kann nicht nur jeder darin laufen, es sieht auch jeder gut darin aus.

„New York ist keine gute Stadt, wenn man ein dicker Mann ist, der fluchend auf einem Treppenabsatz der Station 81. und Naturkunde-Museum liegt!“ Ich konnte nicht anders, irgendwann musste ich fragen. „Was sollte denn das, Danny?“ Er sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren. „Ich wollte ins Museum“, sagte er, „sie haben diese Ausstellung mit frei fliegenden Schmetterlingen.“
„Ich meinte: Was soll das mit den Schuhen“, sagte ich, während ich mir den frei fliegenden Danny auf der Treppe zur U-Bahn vorstellte. Das Gegenteil von Schmetterling. Er verzog das Gesicht. „Ich weiß nicht“, sagte er, „ich schätze, ich dachte, ich könnte ein bisschen gesünder werden.“ Diesen Satz habe ich tausende Male gehört. Er ist New-Yorkisch für Abnehmen. Außer, man ist ein Model, dann steht er fürs Zunehmen. Aber Models benutzen ihn nie.

„Bootblack“, sagte er, mit aufgeregter Verzweiflung in der Stimme, „es ist schon überzeugend – niemand hat je einen fetten Massai gesehen!“ Ich nickte. „Richtig“, sagte ich, und zeigte auf seinen Schirm, der am Stuhl hing, „und vergiss deinen Speer nicht, Krieger!“

Als er schon am Gehen war drehte er sich noch einmal um, zeigte auf seine Schuhe und rief: „Es tut gut, zuhause zu sein!“ Ich nickte. „Wo man jeden Schritt kennt“, sagte ich, mehr zu mir selbst, während Danny beschwingt die Stufen zur Subway hinuntersprang, „wo man jeden Schritt kennt.“

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