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Miguel Vieira im Interview
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Miguel Vieira im Interview
„Design ist disziplinierte Arbeit“
In seinem Heimatland Portugal zählt Miguel Vieira zu den großen Namen im Fashionbusiness, und auch international ist er mit seinen Kollektionen auf den Catwalks präsent – in Istanbul und Sao Paolo ebenso wie in Paris, London und Barcelona. Doch Vieiras Kreativität lässt sich nicht auf die Damen- und Herrenbekleidung, Schuhe und Accessoires reduzieren. Das zeigen Kooperationen mit Motorola, dem Farol Design Hotel und Swarovski, aber auch sein Design für Interior und Schmuck.
In dieser Saison feierte das Multitalent mit seinem Auftritt auf der GDS Deutschlandpremiere, mit einem Schuhportfolio für Männer und Frauen. Luxuriös, detailverliebt und ohne Zurückhaltung in punkto Farben.
Wie berühmt ist der Name Miguel Vieira in Ihrem Heimatmarkt Portugal – und wie fing eigentlich alles an?
Ich kann dort kaum über die Straße gehen, ohne Autogramme geben zu müssen (lacht). Nein, im Ernst. Vor 23 Jahren begann ich, Mode für Frauen zu entwerfen. Bald darauf folgte die Kollektion für Männer. Aber dann habe ich erkannt, dass mich das ganze Konzept interessiert. So hat sich alles aufgebaut: zur First Line in der Mode kamen Jeans und eine Sportkollektion hinzu, dann Sonnenbrillen, auch Möbel und so weiter. Heute arbeite ich mit zwölf Mitarbeitern an nunmehr 15 Lizenzen, die in Portugal an 100 Verkaufspunkten und weltweit an über 300 Verkaufspunkten vertrieben werden.
Seit wann sind auch Schuhe dabei?
Mittlerweile seit 16 Jahren. Für jede neue Saison gibt es ein Modethema, wie zu dieser Saison das Thema Lissabon-Capri. Mein Team und ich reisen viel, dann besprechen wir in einem Meeting alle Ideen und verarbeiten unsere Eindrücke. Beim Entwurf greift dann alles ineinander, ob für Kleidung oder Schuhe. Es ist selten so, dass etwas ganz isoliert für sich entsteht.
Was reizt Sie am Thema Schuhe?
Dass es so viele Komponenten zu beachten gibt. Ich mag Leder, seine Haptik und wie unterschiedlich der Charakter dieses Materials sein kann. Für diese Kollektion habe ich unterschiedliche Materialien in einem Schuh verwendet, teilweise sind es bis zu sechs Lederarten. Wie bei einem Bootsschuh, wo ich beispielsweise hellblaues Lackleder zu groben Canvas kombiniert habe. Genau der Kontrast zwischen „reichen“ Materialien und sehr einfachen prägt diese Kollektion und macht ihren Reiz mit aus.
Ihr Wiedererkennungsmerkmal ist Minimalismus mit klaren Linien und strengem Schwarz-Weiß, doch diese Schuhkollektion setzt auf Farbe, mit Pastelltönen für Männer und Frauen, bunten Bastblumen auf dem Blockabsatz...
Farben, die für sommerliche Leichtigkeit stehen, auch wenn Schwarz und Weiß nach wie vor sozusagen den roten Faden für meine Kollektion bilden. Obwohl ich es liebe, mit Schwarz und Weiß zu arbeiten, ist Farbe für meine Kollektionen sehr wichtig, um die Produkte zu diversifizieren und um den Kunden eine größere Auswahl zu bieten. Die Ausarbeitung der Schuhe ist auch interessant. Wir kümmern uns um jedes Detail, entwerfen zum Beispiel auch die Sohle, die in einem Stück gearbeitet wird. Und in den Schuhen findet sich ein Hologramm mit dem Logo. Es gehört zu unserer Policy, ausschließlich in Portugal zu fertigen. So haben wir auch den direkten Draht zu den Betrieben und können direkt vor Ort sein.
Wie hoch ist der Arbeitsaufwand – wie oft besuchen Sie die Firmen, die für Sie produzieren?
Mindestens einmal monatlich besuche ich alle Firmen, die mit uns zusammenarbeiten, also alle 15 Lizenznehmer. Der Aufwand ist natürlich hoch, für fast jede Lizenz sind es pro Saison zwei Messen, auf denen präsentiert wird, da gibt es viel zu koordinieren.
Wie schaffen Sie es, alles unter einen Hut zu bekommen?
Ich bin sehr diszipliniert und fühle mich nicht nur als Designer, sondern auch als Businessman. Alles muss bedacht werden. Auf der einen Seite bin ich vielleicht ein romantischer Typ, aber ich entspreche nicht der romantischen Idee des Designers, der verträumt und weltfremd in seinem Atelier entwirft, einen Geistesblitz hat und dann wie beflügelt loslegt. Viel mehr ist Design disziplinierte Arbeit. Dabei kommt mir zugute, dass ich sehr gut planen kann. Ich bin streng mit mir, aber auch mit meinen zwölf Mitarbeitern, die mit mir entwerfen. Da braucht es auch Regeln, an die sich alle halten.
Wo lassen Sie sich inspirieren?
Auf meinen vielen Reisen, zum Beispiel in Städte wie Mailand, Paris, New York und London oder zu angesagten Badeorten. Und durch Filme; ich mag die glamourösen 50er Jahre Movies und Filmstars wie Cathérine Deneuve, Marilyn Monroe, Paul Newman, Elizabeth Taylor, Ingrid Bergman und Marlon Brando.
Bitte ein paar Worte zum Deutschlandstart.
Wir starten jetzt zuerst mit Schuhen und haben uns deshalb bewusst für einen Auftritt auf der GDS entschieden; es war schon lange mein Wunsch, hier zu präsentieren. Die Messe hat uns im Vorfeld sehr unterstützt und wir haben einige Gespräche mit potentiellen Distributoren und Agenten für den deutschen Markt führen können. Unser Ziel sind in erster Linie die Highfashion-Stores; Boutiquen, wo wir mit unserer hochwertigen Kollektion hineinpassen, um uns auch hierzulande einen guten Namen zu machen.
Das Interview führte: Nicoletta Schaper
Fotos: Susanne Boidol
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