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Gamaschen

Kolumne

Gamaschen

Mister Bootblack ist Philosoph mit eigener Meinung. Sein Geld verdient er als Schuhputzer. Für die GDS schreibt er alle 14 Tage über Schuhe. Und über deren Träger.

Ich hatte gerade damit begonnen, zum ersten Mal in diesem Jahr meinen Pavillon aufzubauen, eine Art Zeltüberdachung für meinen mobilen Laden, weil das Wetter in dieser Woche endgültig umgeschlagen war. Plötzlich stand Henry vor mir, einen Anglerhut auf den Kopf, von dem der Regen auf seine Schultern in kleinen Bächen ablief, in einer Seemannsjacke, die Hose in hohe Stiefel gestopft.

Ich habe eine Meinung dazu: Natürlich gibt es eine Art, auf die auch Männer ihre Hose in die Stiefel stecken dürfen. Ich werde das oft gefragt, und die Antwort ist eindeutig. Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass Männer ihre Hose in die Stiefel stecken. Unter einer Bedingung: Der Mann sollte entweder ein Pferd dabei haben oder ein Gewehr. Oder beides. Dann geht alles. Ansonsten verschone man mich mit der Frage, auch wenn ich weiß, dass es in manchen Kreise Mode ist. Aber, bitte, es ist eine Mode, die die Regeln bricht. Das ist in Ordnung, wenn man es kann. Für Virtuosen. Ich bin das nicht. In der Stadt trägt man meiner Meinung nach immer noch Gamaschen, wenn man seine Hose vor den Elementen schützen will. Das sind die meistunterschätzten Accessoires für einen Großstädter, und ich kann nur jedem raten, der ein originelles Geschenk sucht: Verschenken Sie Gamaschen! Es müssen keine eleganten Gamaschen sein, wie man sie trug, wenn man durch den Matsch auf den Straßen in Harlem ging, um Charlie Parker in einer Kellerbar spielen zu hören. Ein einfaches Paar aus Kunststoff ist schon gut, ein hochwertiges aus Gore-Tex-Material ist noch besser. Aber warum Männer in unserer Zeit lieber ihre Hosensäume ruinieren oder aussehen wollen, als wären sie ins Büro geritten, ist mir ein Rätsel. Leder ist ein Geschenk Gottes, damit wir schöne Schuhe tragen können, und wir können das das ganze Jahr hindurch, weil ein kluger Mensch die Gamasche erfunden hat. Das sollten wir ehren.

Ich sage das natürlich, weil der Herbst begonnen hat. Ich habe meine hohen Schuhe ausgepackt, also eigentlich meine echten Schuhe, denn Halbschuhe heißen ja deshalb „halb“, weil ganze Schuhe in Wahrheit über den Knöchel reichen. Sie sind ein guter Schutz bei schlechtem Wetter, für alles mögliche, nur eben nicht für den Hosensaum. Ein kluger Mensch hat zwei Paar echte Schuhe, damit er sie abwechselnd tragen kann, sonst trocknen sie zwischendurch nicht richtig, und alle fünf Jahre ersetzt er ein Paar. So einfach ist das gute Leben.

Henry im Anglerhut lachte mich an. „Das ist zwar kein Wetter“, rief er, „aber dafür jede Menge davon!“ Ich musste lachen. Henry ist so. Er ist der, der alle glücklich macht, indem er einfach immer glücklich ist. Er baut auf seinem Dach in Brooklyn Tomaten an und verteilt sie an die Kinder in seiner Straße. Ich bin sicher, er kann einen Drachen bauen. So ein Mann ist Henry. Und er trägt Gummistiefel in der Stadt. Er ist einen Schritt weiter: Er braucht keine Regeln mehr.
Aber alle anderen vertrauen mir bitte in Bezug auf die Gamaschen.

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