Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: Startseite. News. Kolumne.

Im Schafspelz

Kolumne

Im Schafspelz

Mister Bootblack ist Philosoph mit eigener Meinung. Sein Geld verdient er als Schuhputzer. Für die GDS schreibt er alle 14 Tage über Schuhe. Und über deren Träger.

Im Schafspelz

Sie tun mir einen großen Gefallen, wenn Sie mich nicht nach diesen australischen Stiefeln fragen. Ich weiß, dass sie sehr beliebt sind und ich gönne jedem seinen Erfolg. Aber ich mag sie nicht. Es kann gut sein, dass sie Surfern gut die nackten Füße wärmen mit all dem Schafsfell. Schön sind sie trotzdem nicht. Und schön – ist das nicht auch ein Wert an sich? Ich weiß, dass man Bücher nicht nach dem Einband bewerten soll, aber ist ein schöner Einband nicht schon mal ein schöner Einband?

Es ist Winter und es ist schon eine ganze Weile Winter in meiner Stadt. In den letzten Tagen war es noch einmal erstaunlich warm, aber das heißt ja nur, dass der Schnee als Regen kommt und den Schuhen ist es letztlich egal, in welcher Form das Wasser über sie herfällt. Seit Wochen hat sich mein Stand von einem Ort der Dienstleistung in den Kaufmannsladen verwandelt, zu dem er im Winter wird. Ich verkaufe Fette und Cremes, Sprays und Einlegesohlen und die meisten davon gelten unter meinen Kunden als Geheimtipp, obwohl sie das Gegenteil sind: uralte, bewährte Rezepturen, die man einfach heute viel seltener bekommt, weil man alles im Supermarkt kaufen will. Ich weiß nicht, woran das liegt, schließlich bekommt man in Supermärkten nur in Ausnahmefällen wirklich gute Dinge. Wer gute Haarpflegeprodukte kaufen will, geht zum Friseur (Ich weiß das, ich habe Locken. Sehr, sehr wartungsintensive Locken und es brauchte ein Leben an Erfahrung und eine Reihe guter Friseure, bis einer wirklich mit ihnen klar kam). Wer gutes Fleisch will, geht zum Schlachter. Und wer gute Schuhcreme braucht, der muss zu einem guten Schuster gehen. Oder in ein Schuhgeschäft in dem man stolz darauf ist, Schuhe zu verkaufen.

Wie dem auch sei, was ich eigentlich sagen wollte, bevor meine Gedanken von diesen australischen Surfern gelenkt und ein paar schnelle Wendungen gemacht haben: Es ist Stiefelzeit und Stiefel sind vielleicht das größte Rätsel in der Geschichte von Mensch und Zivilisation. Denn während Männer wie Frauen von allen möglichen Schuhen mehrere Paare haben, besitzen sie meist nur ein paar ordentliche, stadtfeine Winterstiefel. Was lustig ist, denn immerhin ist der Winterstiefel der am meisten beanspruchte. Der, der am häufigsten nass wird. Und auch der, bei dem es am unangenehmsten wird, wenn er nicht mehr ganz wasserdicht ist. Außerdem sind ordentliche Winterstiefel nicht billig, wenn ich das mal so sagen darf. Sie sind, wenn sie denn ordentlich sind, im Gegenteil sogar die teuersten Schuhe im Schrank. Sie jeden Tag zu tragen, heißt in der Regel, sie entweder zu schnell zu trocknen (bitte immer nur bei höchstens Zimmertemperatur an der Luft) oder sie am nächsten Tag noch feucht wieder anzuziehen. Beides todsichere Wege, sie so schnell wie möglich zu zerstören.

Wenn ich es mir recht überlege, heißt das: Kaufen Sie meinetwegen diese australischen Hipster-Stiefel. Mehr noch: Kaufen Sie bitte gleich zwei Paar!

Zurück zur Übersicht

Zurück zur Übersicht

Mehr Informationen