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Die neue Lust auf Schuhe
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Die neue Lust auf Schuhe
Die Schuhbranche zeigt sich optimistisch, denn die Konsumenten geben für Schuhe wieder mehr Geld aus. Prognosen von Branchenexperten zufolge wird das auch in den kommenden Jahren so bleiben. Allerdings heißt das für den klassischen Fachhandel nicht, dass nun Entspannung angesagt ist: Die Absatzwege verändern sich gravierend.
Schuhe sind im vergangenen Jahr stark in der Gunst der Konsumenten gestiegen: 2010 konnte der Schuhmarkt in Deutschland laut Erhebungen der IFH Retail Consultants, Köln, ein Umsatzvolumen von 9,1 Mrd. Euro für sich verbuchen. Das entspricht einem Plus von 8,9 Prozent. Die Statistiker des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) haben für 2010 ein Absatzvolumen von 12,1 Mrd. Euro identifiziert. Wobei sie darauf verweisen, dass der Gesamtumsatz der Branche nur geschätzt werden könne, denn viele Vertriebstypen und –wege teilen sich den Markt: Nicht nur der Fachhandel verkauft Schuhe, auch der Versandhandel, ebenso der Großhandel. Viele Hersteller bringen ihre Produkte in eigenen Läden, online oder im Direktverkauf „ab Fabrik“ an den Konsumenten. Genaue Daten zum Marktvolumen sind deshalb nicht bekannt.
Trotzdem lassen diese Zahlen die Branche jubeln, denn Zuwächse dieser Größenordnung wurden schon seit Jahren nicht mehr verzeichnet. Die IFH-Experten sprechen sogar von einem „Meilenstein in der Geschichte des Schuhmarktes“. Der Grund für diese Euphorie: Es würden nicht etwa Verluste aus den Hochzeiten der Finanzkrise ausgeglichen. Im Gegenteil, die Finanzkrise habe kaum Auswirkungen auf den Schuhmarkt gezeigt. Nein, der Grund für die gestiegene Kauffreude bei Schuhen ist nach Meinung der Retail Consultants die steigende Wertschätzung von Schuhen im Alltagskonsum.
Betrachtet man die Struktur der Schuhanbieter, so stellt man schnell fest, dass sich auch hier ein Wandel vollzieht. Der Versandhandel hat enorm zugelegt, insbesondere die Zalando GmbH gilt hier als Markttreiber. „Moderne Techniken zur Warenpräsentation, Bestellung, Bezug, Bezahlung und Retourenabwicklung haben diesen Vertriebsweg geradezu revolutioniert“, sagt der BDSE-Marktexperte Peter W. Engmann. Dieser Vertriebsform kann sich auch der stationäre Fachhandel nicht verschließen. Bei einer repräsentativen Befragung des BDSE im August 2011 gaben 24,3 Prozent der Schuhfachhändler an, Schuhe auch im Internet anzubieten. Darunter unterhalten 13,4 Prozent einen Online-Shop, 5 Prozent nutzen die Möglichkeiten eines Internet-Marktplatzes wie beispielsweise Amazon oder Ebay und 5,9 Prozent vertreiben Schuhe über beide Angebotsformen im Internet (Online-Shops und Marktplatz). „Interessanterweise findet bis dato aber kaum eine echte Kannibalisierung des stationären Handels durch den Onlinehandel mit Schuhen statt“, haben die IFH Retail Consultants im Zuge der Erstellung ihres Branchenreport: Schuhe 2011 festgestellt. Doch könne sich dies in Zukunft ändern: „Auch die vielfältigen Anwendungen des Smartphones werfen ihre Schatten voraus.“
Laut BDSE haben die Filialisten nach Zahl der Geschäfte, Größe der Läden, Tiefe der Sortimente und hinsichtlich des schnelleren Kollektionswechsels zugenommen. Allein Deichmann aus Essen verkaufte 2010 weltweit eigenen Angaben zufolge rund 152 Mio. Paar Schuhe, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Geschäft in Deutschland machte mit 1,77 Mrd. Euro ungefähr die Hälfte des Gruppenumsatzes aus. Zweitgrößtes Schuhhandelsunternehmen in Europa ist die Hamm-Reno-Group (HR), Osnabrück, drittgrößtes die Ludwig Görtz GmbH aus Hamburg.
Weiterhin, so Engmann, eröffneten Modehäuser verstärkt Schuhabteilungen oder bauten ihren Schuhanteil im Sortiment aus. Zum einen, weil „auch die Geschäfte flächenmäßig größer werden“, aber auch, weil es Ausdruck des Trends zur Kollektions- und Markenabrundung bedeutender Anbieter ist“. Allein Bekleidungshersteller Boss soll pro Jahr 1,6 Mio. Paar Schuhe verkaufen.
Zudem haben die Marken/Labels deutscher und internationaler Anbieter an Interesse und Aufmerksamkeit gewonnen durch eigene Monolabel-Stores und Flächenkonzepte im Fachhandel. Engmann: „Die Schuhhersteller sehen besonders in größeren Bekleidungsgeschäften gute Chancen für vertikale Flächensysteme, denn in dieser Branche gibt es viele große Flächen. Zwischenzeitlich ist die Zahl der Partnerschaften in all ihren Formen – ob Shop-in-Shops, Softshops, Partnerstores, Concessions oder Konsignation - deutlich gestiegen.“ Die Kauf- und Warenhäuser wiederum haben in den letzten Jahren als Vertriebstyp an Bedeutung verloren. „Der wichtigste und umfangreichste Vertriebsweg für Schuhe und Schuhzubehör in Deutschland ist sicherlich der Schuhfachhandel“, hat Engmann festgestellt. Er bescheinigt ihm sogar eine steigende Bedeutung, die er an einem Umsatz von 7,9 Mrd. Euro im Jahr 2010 (ein Plus von 8 Prozent gegenüber 2009) festmacht. Die Erwartungen für dieses Jahr seien mehrheitlich übertroffen worden. Laut einer BDSE-Umfrage hätten nur rund 6 Prozent der Schuheinzelhändler mit einem Umsatzminus abgeschlossen; 82 Prozent dagegen mit einem Plus, und dies, obwohl viele im letzten Jahr die Einkaufsmenge aufgrund der wirtschaftlichen Situation in den Vorjahren eher vorsichtig geplant hätten. „Geht man davon aus, dass auch die anderen Vertriebsformen und Betriebstypen ähnlich positive Wachstumsraten aufwiesen, so kann man von einem Marktvolumen einschließlich Mehrwertsteuer für Schuhe und Schuhzubehör von insgesamt 12,1 Mrd. Euro ausgehen“, so Engmanns Schätzung. Grund für Zuversicht im Schuhfachhandel. Immerhin rechneten 22,6 Prozent der Unternehmen für 2011 mit steigenden Umsätzen und 67 Prozent mit einer Stagnation auf hohem Niveau. Nach Berechnungen des BDSE dürften die Einzelhandelsumsätze mit Schuhen in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 5,6 Mrd. Euro betragen haben.
Umsatzstärkste Warengruppe sind Erhebungen der Fachzeitschrift „Schuhkurier“ zufolge die Damenschuhe mit knapp 62 Prozent des Gesamtumsatzes. 42,2 Prozent des Umsatzes entfallen auf Stiefel mit Kaltfutter, gefolgt von Stiefeln mit Warmfutter (30,3 Prozent). Slipper und Trotteurs liegen bei 8,8 Prozent, Pumps und Ballerinas bei 8,6 Prozent. Die Paare mit mehr als 100 Euro Verkaufserlös tragen rund ein Drittel zum Umsatz bei. Herrenschuhe machen lediglich 12,6 Prozent des Gesamtumsatzes aus, Kinderschuhe 10 Prozent. Bei Herrenschuhen liegt der Anteil der Preislagen mit mehr als 100 Euro bei 44 Prozent des Umsatzes.
Grundsätzlich wird der Markt für Schuhe auch 2012 weiter wachsen: Die Münchener BBE Handelsberatung und der Marktdatenspezialist marketmedia24 aus Köln haben eine neue Kurzstudien-Reihe aufgelegt, die dem Schuhmarkt eine positive Entwicklung bis 2012 bescheinigt. „Während sich in anderen Branchen das Geschäftsformat Fachhandel die Existenzfrage stellen muss, segelt der deutsche Schuhfachhandel offenbar vor dem Wind“, so eine Einschätzung der Marktforscher.
Alle Informationen entstammen dem BDSE Statistik-Report Schuhe 2011. Der BDSE-Statistik-Report 2011 „Schuhe mit Anhang Lederwaren“ ist im Ringhefter oder als CD-ROM-Version im Word-Format erhältlich. Preis: 99 EUR für EHV-Mitglieder, sonst 149 EUR, jeweils zzgl. MwSt. und Versand. Das Paket von gedruckter Version und CD-ROM kostet 119 EUR (EHV-Mitglied) bzw. 169 EUR. Der BDSE-Statistik-Report kann bestellt werden beim ITE-Verlag, Fax 0221/92150910, E-Mail itebestellungen@bte.de oder über die BDSE-Website www.bdse.org
Text: Dörte Fleischhauer
Foto: styleuneed - Fotolia.com
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