Trendtable GDS DSI Schuhmarkt
Trendtable von SchuhMarkt und DSI

Wie weckt man Begehrlichkeiten?

Am 11.02.2016 luden der SchuhMarkt und das Deutsche Schuh-Institut (DSI) im Rahmen der GDS wieder zum Trendtable in die International Lounge. Am zweiten der insgesamt drei Messetage drehte sich in der hochkarätig besetzten Gesprächsrunde alles um das Thema Begehrlichkeiten: Wie kann der stationäre Handel diese in schwierigen Zeiten wecken? Welche Rolle spielen das Personal und die Flächengestaltung beim Schaffen neuer Anreize? Wie führt man Kunden an neue Trends heran? Diese und weitere Fragen wurden von den Teilnehmern aus Industrie und Handel im Rahmen des einstündigen Trendtables beantwortet. Zudem gab es einen umfassenden Ausblick auf die Highlights der Saison Herbst/Winter 2016/17.

Zehn Branchenexperten fanden sich am GDS-Donnerstag an einem großen Tisch zusammen, um über die modische Ausrichtung der bevorstehenden Saison zu diskutieren. Anlass war der dritte Trendtable, zu dem die Fachzeitschrift SchuhMarkt und das Deutsche Schuh-Institut (DSI) im Rahmen der GDS gemeinsam in die International Lounge im Messehochhaus geladen hatten. Das Thema der spannenden Diskussionsrunde lautete „Begehrlichkeiten wecken“. Wie das gelingen kann, das beleuchteten aus Sicht des stationären Handels Ingo Hänel (Inhaber Schuh-Beck), Sabine Hünlein (Inhaberin Schuhhaus Neun) und Brigitte Wischnewski (Inhaberin Schuhhaus Meyer). Aus Markensicht sprachen Lewin Berner (Geschäftsführer Sioux), Kerstin Honrath (Mitinhaberin Candice Cooper) und Michael Weyergans (Mitglied der Geschäftsleitung Camel Active) sowie Liliana Cacopardo (Design Peter Kaiser). Ergänzt wurde die Runde durch die selbstständige Modelleurin und Schuhdesignerin Isabel van de Sand und durch die beiden Trendexpertinnen Marga Indra-Heide (Trendscout Modeurop) und Ina Köhler (Trendexpertin AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf). Begrüßt wurden die Teilnehmer von Kirstin Deutelmoser, Director GDS & tag it!, und Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie e.V. (HDS|L). Sie übergaben das Wort an DSI-Pressesprecherin Dr. Claudia Schulz und SchuhMarkt-Objektleiter Armin Mende, die als Moderatoren gemeinsam durch den Trendtable führten. Ziel der Gesprächsrunde war es, jene Trends für die Saison Herbst/Winter 2016/17 auf der GDS zu sondieren, die das Angebot der Händler umsatzstark auffrischen und die beim Kunden Begehrlichkeiten wecken.

Neue Silhouetten, neue Leisten – Die Casualisierung der Eleganz

„Machen wir es uns manchmal ein bisschen zu einfach?“ Mit dieser provokanten Frage an die Runde eröffnete Dr. Claudia Schulz die Diskussion und verbannte damit den häufig bemühten Erklärungsgrund ‚Wetterabhängigkeit’ für diese Gesprächsrunde aus der Argumentation. Entsprechend konzentrierten sich die Teilnehmer auf den Strukturwandel und darauf, was der Schuhhandel von Onlineanbietern, Textilern und den Vertikalen lernen kann. Zunächst aber ging es um die Klärung der Trendfrage. „Es ist sehr schwer, den einen Trend auszumachen. Wenn man sich hier auf der Messe umsieht, ist es eher eine Bandbreite“, holte Ina Köhler, Trendexpertin der AMD Düsseldorf aus. Mit dieser Beobachtung im Raum fasste Marga Indra-Heide die Highlights der bevorstehenden Saison etwas konkreter. „Ich glaube wir müssen uns immer mehr mit den neuen Längen Midi und Maxi – vor allem bei den Hosenformen – beschäftigen“, holte die ausgewiesene Trendexpertin vom Modeurop aus und nannte im Kontext des bevorstehenden Silhouettenwechsels drei zentrale Themen für die Saison Herbst/Winter 2016/17: Sneaker, Brogues und Hybride sowie Stiefeletten. „Das Thema Sneaker ist und bleibt weiter gesetzt. Zudem glaube ich an Brogue-Typen und Hybrid-Modelle vom Sneaker zum Brogue sowie an neue Stiefeletten, die als schönes neues Thema kommen.“ Die „neuen Stiefeletten“ werden laut Marga Indra-Heide dünner, feiner, karreeförmig mit blockigen Absätzen à la 60’s. Vor allem der Karreeform attestierten auch die beiden Designerinnen der Runde, Isabel van de Sand und Liliana Cacopardo, großes Trendpotenzial, passend zu den neuen Leisten. Diese gehen im Zuge der aktuellen Casualisierung in eine sportivere ‚Smart Casual’-Richtung und verbinden das Sportive mit dem Eleganten und umgekehrt. Wer bei etablierten Leistenformen bleiben möchte, dem empfiehlt Ingo Hänel von Schuh-Beck unbedingt den Griff zu neuen Materialien. Apropros Materialien: Weiter angesagt bleibt Glanz, ergänzt durch neue dreidimensionale Oberflächenstrukturen. So bleiben Metallic-Effekte und Glitzer weiter im Trend während die neue Dreidimensionalität monochromer Farbigkeit neue Rafinesse verleiht. Dabei spielt nicht mehr nur der Kassenschlager Schwarz eine Rolle. Neben dem edlen Off-White der vergangenen Saison kommen gebrannte Töne wie Cognac sowie Grün als modische Farbe.  

Wie trag ich’s? Händler müssen den Kunden an die Hand nehmen

Wie man die neuen Trends an den Mann bringen kann, obschon die Vorzeichen für die Saison Herbst/Winter 2016/17 aktuell für den Händler nicht optimal sind, wurde in der zweiten Hälfte des Trendtables näher beleuchtet. „Wir befinden uns mitten in einem Wandel – auch in der Art des Verkaufs. Es dreht sich alles um Looks und entsprechend müssen wir neue Anreize schaffen, indem wir zeigen, welche Schuhe zu welchen Looks passen“, brachte es Michael Weyergans von Camel Active auf den Punkt und sprach damit der Runde aus dem Herzen. „Der stationäre Handel bekommt immer mehr eine beratende Funktion. Styling ist inzwischen enorm wichtig geworden“, bestätigte Trendexpertin Ina Köhler ehe sie auf die Notwendigkeit einging, den Kunden mehr an die Hand zu nehmen und ihn durch die Vielzahl von Trends zu führen. Dies gelingt laut Sioux-Geschäftsführer Lewin Berner vor allem dem Onlinehandel inzwischen besonders gut: „Im Onlinehandel hat man eine richtige Evolution gesehen. Am Anfang wurden Packshots gezeigt, dann ging es immer mehr ins Styling und jetzt geht der Marktführer noch weiter in Richtung Styling-Beratung.“ Mit welchen kleinen Schritten der stationäre Handel mitziehen kann, beschrieb Brigitte Wischnewski vom Schuhhaus Meyer. „Wir sollten uns im stationären Handel unserer Vorbildfunktion bewusst sein. Seit etlichen Jahren tragen unsere Mitarbeiter beispielsweise immer freitags und samstags ein bestimmtes Thema, das wir jeweils zum Beginn der Saison festlegen. Die Kunden erkennen das und lassen sich inspirieren.“ Grund für den Erfolg solcher Maßnahmen und Anstoß für ein Umdenken des Handels ist laut Kerstin Honrath, Mitinhaberin von Candice Cooper, Unsicherheit auf Seite der Kunden: „Die Unsicherheit der Käufer ist größer als gedacht. Wir müssen die Leute an die neuen Trends gewöhnen, sie animieren und ihnen Sicherheit vermitteln. Die Trends zu zeigen bringt den Spaß zurück und macht Mut!“ Nicht nur den Kunden Mut zu den Trends. Auch dem Handel Mut für die kommende Saison; Mut, modischer einzukaufen, findet Sabine Hünlein vom Schuhhaus Neun: „Wir bekommen in dieser Saison eine große Chance! Wir haben die Möglichkeit, schöne und ausgefallene Schuhe zu zeigen, weil wir bei der aktuellen Vielfalt in der Mode wirklich alles verkaufen können.“

Ein detaillierter Bericht vom dritten Trendtable von SchuhMarkt und DSI auf der GDS erscheint in der 4. Ausgabe (ET: 23.02.2016) des SchuhMarkts.

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Text: Julia Lauber
Foto: Björn Hornung