Karim und Olivier Choukair leiten Melvin & Hamilton. Ihr Vater Rajab Choukair, der das Unternehmen 1988 gegründet hat, steht ihnen beratend zur Seite.

Melvin & Hamilton

Erfolg in der Nische

Daumen hoch: Seit einigen Jahren hat die Schuhmarke Melvin & Hamilton ein beachtenswertes Wachstum zu verzeichnen. Wie sie das schafft, erklären die Brüder Karim und Olivier Choukair gemeinsam mit Firmengründer Rajab Choukair im GDS Online-Interview.

Melvin & Hamilton steht für klassisch-edles Schuhdesign in besonderer Farbvielfalt. War das von Anfang an die Nische, als Sie 1988 gestartet sind?

Karim Choukair: Die Grundidee war ein Businessschuh, gefertigt mit dem Knowhow traditionellen Schuhhandwerks, aber mit modernem Twist. Das war auf Anhieb sehr erfolgreich. Zunächst unter einem italienischen Namen, aus dem später Melvin & Hamilton wurde, weil der Name Internationalität vermitteln sollte. Und der daher gut zu uns als Familie passt: Unser Vater kommt aus dem Libanon, unsere Mutter aus Paris. Beide haben sich in Heidelberg getroffen, wo das Unternehmen auch seinen Sitz hat.

Rajab Choukair: Dass wir uns auf die Schuhbranche spezialisiert hatten, war Zufall. Von der Ausbildung her war ich BWLer, als ich in den 1960ern ein Angebot aus der Schuhbranche bekam. So begann meine Leidenschaft für das Schuhhandwerk. Und die übertrug sich offenbar auf meine Söhne, die als Kleinkinder viel mehr Interesse an den Schuhen aus meinem Koffer zeigten als an ihrem Spielzeug.

Typisch für die Damen- und Herrenschuhe von Melvin & Hamilton ist das besondere Finishing der vegetabil gegerbten Lederschuhe – und die Farbvielfalt.

Wie ist es, als Familie zusammenzuarbeiten?

Olivier Choukair: Unser Verhältnis ist sehr innig, das prägt auch unsere Zusammenarbeit. Wir sind zusammen aufgewachsen, wir haben gemeinsam ein Business aufgebaut. Unser Vater ist seit den 1960ern auf der GDS, und von Jugend an waren wir Söhne auf dem Stand dabei. Wir teilen die Begeisterung für Schuhe. Dabei ist es allerdings sehr hilfreich, dass wir alle einen BWL-Hintergrund haben. Denn Begeisterung allein reicht nicht aus.

Die Verkaufspreise liegen zwischen 129 und 249 Euro, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bei der Qualität. Wie erreichen Sie das?

Karim Choukair: Indem wir die Strukturen möglichst klein halten. Mein Bruder und ich verantworten nicht nur die Strategie des Unternehmens, sondern auch das Produktdesign, womit schon einmal ein großer Kostenfaktor wegfällt. Auch in der Produktion achten wir auf Effizienz. Wir produzieren in Indien und sind an einem Betrieb beteiligt, dazu kommen fünf weitere Betriebe, meist mit einer für unsere Marke vorbehaltenen Produktstraße. Auf diese Weise können wir die Produktion gut kontrollieren. Auch dass wir in der Produktion nicht hinten anstehen, haben wir uns erarbeitet, in langjährigen Geschäftsbeziehungen.

Olivier Choukair: Beim Standort Indien kommen schnell die Fragen nach den Standards und was die Mitarbeiter dort verdienen. Wer aber so hochwertig fertigt wie wir, braucht hochspezialisiertes Personal. Umso wichtiger ist es, diese Arbeiter gut zu behandeln und angemessen zu bezahlen.

Die Qualität der Melvin & Hamilton Schuhe ist auch auf ihre Brandledersohle zurückzuführen, auf die der Schuh montiert wird. Sie sorgt für besonderen Tragekomfort und lange Haltbarkeit. Ebenso wichtig ist ein gutes Kalbslederfutter, das auch dafür sorgt, dass der Schuh atmen kann.

Welche Größe hat das Unternehmen erreicht?

Karim Choukair: Wir haben im Jahr 2015 einen konsolidierten Umsatz von über 14 Millionen Euro erzielt. Pro Saison wachsen wir derzeit um 30 bis 40 Prozent, was wir auch dem Internet zu verdanken haben. Unser eigener Onlineshop funktioniert seit seinem Relaunch vor drei Jahren hervorragend. Zusätzlich wachsen wir bei allen anderen großen Onlinern wie Amazon, Zalando, Mirapodo oder Sarenza. Insgesamt ist das Ausland wichtig für unsere Entwicklung als Marke, online wie stationär.

Mit welchen Ländern?

Karim Choukair: Frankreich steht an oberster Stelle, zumal wir familienbedingt einen guten Draht zu Frankreich haben. Aktuell eröffnen wir in Kooperation mit Printemps, Boulevard Haussmann, mehrere Shop-in-Shops, außerdem haben wir einen hervorragenden Pop Up-Store bei Usman, Paris. Mit dieser Saison haben wir Rainer Lüers, ehemals Lloyd, als Exportmanager verpflichtet. Mit ihm peilen wir auch Asien und Russland an. Zurzeit liegt unsere Exportquote bei 35 Prozent, aber wir sind zuversichtlich, dass wir sie innerhalb eines Jahres auf 50 Prozent steigern können.

Wie sieht es im Heimatmarkt aus?

Karim Choukair: In Deutschland sind wir in vielen kleinen Boutiquen vertreten, mit denen wir gern zusammenarbeiten. Darunter seit 35 Jahren die Edelboutique Vanilla Frankfurt, aber auch Leiser, Görtz, Klauser, Salamander... und Fashionkunden wie Lodenfrey München oder Engelhorn Mannheim.

Olivier Choukair: Durch unseren Erfolg im Internet kommen jetzt auch stationäre Händler auf uns zu, die vorher keine Kunden waren. Das freut uns natürlich; wir sehen da noch einiges Potenzial.

Karim Choukair: Als Marke sind wir auf Service bedacht, allerdings nutzt der Handel unsere Möglichkeiten noch zu wenig. Wir haben ein großes NOS-Lager, auch für modische Schuhe. Aber bisher greifen nur einige Großkunden darauf zu. Viele Händler gehen immer noch auf Nummer Sicher. Aber die Nummer Sicher ist in einem schwierigen Markt gar nicht das, was der Konsument haben will! Ein Händler sollte sich auf einer großen Messe wie der GDS informieren und ihr Angebot zu einem individuellen Sortiment zusammenstellen. Nur wer seine Nische findet, kann in einem globalen Markt bestehen.

Der klassische Herren-Chelsea zählt zu den Bestsellern, in der Herren- wie in der Damenkollektion.

Auch Melvin & Hamilton stammt aus einer Nische und steht dafür bis heute.

Karim Choukair: Unsere Stärke ist das ganz besondere Finishing, das wir über die Jahre hinweg perfektioniert haben. Das entsteht in liebevoller Handarbeit; ein Paar Schuhe kann vom Finishing her einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Wir sind heute nach wie vor die einzigen, die Businessschuhe in dieser farbigen Vielfalt herstellen. Ein warmes Rot zur Jeans oder zum Slimfit-Anzug, das sieht einfach super aus! Oder ein sattes Orange. Ich sprach letztens einen Kunden auf seine orangefarbenen Melvin & Hamiltons an und er war ganz verblüfft: Er hätte doch keine Schuhe in Orange gekauft! Verstehen Sie, er hat das Orange nicht als Farbe, nicht als bunt wahrgenommen. Er fand einfach die Farbe schön.

Zur Website von Melvin & Hamilton

Text: Nicoletta Schaper
Fotos: Messe Düsseldorf / ctillmann